
Artist in Residence 26/27
Lisi Namchevadze
In der Saison 2026/27 startet das Süddeutsche Sinfonieorchester mit neuen künstlerischen Impulsen! Besonders freuen wir uns, bekanntzugeben, dass die Pianistin Lisi Namchevadze die kommende Spielzeit als Artist in Residence begleiten wird.
Die junge Stuttgarter Pianistin, von der Presse bereits als „Musikerin der Zukunft“ gefeiert wird und offizieller "Steinway Artist" ist, machte in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Auftritten auf sich aufmerksam. So eröffnete sie die Saison 2025/26 als Solistin der Stuttgarter Philharmoniker im Beethovensaal der Liederhalle und war darüber hinaus in renommierten Konzertsälen wie dem Concertgebouw in Amsterdam, der Carnegie Hall in New York oder der Laeiszhalle in Hamburg zu erleben.
Neben den Sinfoniekonzerten wird sie auch bei Kammermusikkonzerten des Süddeutschen Sinfonieorchesters zu hören sein. Wir geben im Interview erste Einblicke:
Sie sind in einer Musikerfamilie aufgewachsen, beide Ihrer Eltern sind Berufsmusiker, beide haben das Klavierspiel zum Beruf gemacht. War es für Ihre Eltern von vornherein klar, dass auch die Tochter Ihren Weg in der Musik geht, oder wie entwickelte sich Ihre Liebe zum Klavier?
Das ist richtig, tatsächlich befanden sich meine Eltern noch in Ihrem Studium, als ich geboren wurde. Dementsprechend häufig hörte ich zu Hause schon bereits im frühesten Alter sehr viel Klaviermusik. Das scheint mich nachhaltig geprägt zu haben, im Alter von drei Jahren, so erzählte es mir meine Mutter, setzte ich mich dann selbstständig an unser Klavier und drückte die ersten Tasten. Damit war für meine Eltern klar, dass ich Spaß am Klavierspielen habe und schon kurze Zeit später erhielt ich dann meinen ersten Klavierunterricht bei Herrn Romuald Noll an der Stuttgarter Musikschule. Ich würde also sagen, die Liebe zum Klavier entstand bei mir bereits in der Kindheit – und ist über die Jahre nur stets weitergewachsen.
Das klingt so, als hätten Sie bereits im jungen Alter eine feste Entscheidung in Sachen Musikinstrument getroffen. Viele Kinder in Deutschland probieren sich in musikalischer Früherziehung aus, welches Instrument gut zu ihnen passt. Gab es für Sie jemals die Überlegung, auch an einem anderen Instrument die Welt der Musik zu entdecken?
Ich hatte früher oft den Wunsch, noch ein Streichinstrument zu spielen, besonders die Geige hatte es mir angetan. Das Spezielle am Klavier ist ja, dass man meist nur allein musiziert, das ist bei den anderen Instrumenten anders. Im Orchester zu spielen ist natürlich ein ganz besonderer Reiz, die Verbindung zwischen den einzelnen Musikern im Orchester und der Spaß am gemeinsamen Musizieren ist wirklich einzigartig. Nichtsdestotrotz war das Interesse am Klavier doch am stärksten und ich habe darauf meinen Fokus gelegt – was natürlich nicht bedeutet, dass es nicht auch andere tolle Instrumente gibt!
Sie sprachen bereits über Ihre stetig wachsende Liebe zur Musik. Wann entstand bei Ihnen der Wunsch, aus dem „Hobby“ Ihren Beruf zu machen und sich ganz dem Klavier zu widmen? Streben Sie einem großen Ziel entgegen, das in Ihrer Karriere unbedingt Platz finden soll?
Der Wunsch, Pianistin zu werden, kam ungefähr im Alter von 13 oder 14 Jahren. Besonders die Pianistin Martha Argerich bei Ihren Konzerten im tollen Kleid habe ich stets sehr bewundert, dadurch entstand bei mir der Gedanke: so einen tollen Beruf möchte ich auch haben! Natürlich kann man nie mit Sicherheit wissen, wie weit man es bringt und der Beruf des Musikers fordert sehr viel Zeit und Anstrengung, das hat mich aber nie davon abgebracht, meinen Traum, Pianistin zu werden, aufzugeben. Ein konkretes Ziel für meine Karriere habe ich nicht, ich versuche einfach, sowohl auf der Bühne als auch beim Üben zu Hause stets alles aus mir herauszuholen und mich zu verbessern, alles Weitere wird sich dann zeigen.
Um sein Bestes auf dem Podium zeigen zu können, ist viel Fleiß und Genauigkeit beim Üben erforderlich. Wie sieht Ihre musikalische Arbeit an den Werken aus, hast du Methodiken zum Erlernen und Verstehen der Musik entwickelt? Das ist oftmals ja keine leichte Aufgabe.
Das stimmt, richtiges Üben ist gar nicht so leicht. Über die Jahre hat sich bei mir das Trainieren der einzelnen Hände bewährt, so kann ich garantieren, dass beide Hände in Sachen Technik und Geläufigkeit, aber auch dynamisch und artikuliert agieren. Gepaart mit dem anschließenden langsamen Zusammenspiel ist für mich persönlich das Erlernen am sinnvollsten. Die Musik und die Ideen des Komponisten entdeckt man im Laufe der Jahre immer mehr, dabei ist das genaue Arbeiten mit dem Notentext sehr wichtig. Ergänzend dazu steht mir vor allem natürlich mein Professor zur Seite, aber auch durch Aufnahmen und Bücher kann man der Musik beikommen. Letztendlich ist es das Zusammenwirken aus allem, die meine Umsetzung auf der Bühne bewirken, dabei ist es meiner Meinung nach wichtig, eine gute Balance zwischen der Verwirklichung des eigenen Künstlerdaseins und den Werkvorstellungen des jeweiligen Komponisten zu wahren.
Auf der Bühne zu stehen, ist für viele Menschen mit Aufregung und Stress verbunden, vor allem, wenn dabei so enorme Herausforderungen zu bewältigen sind, wie Sie das als Pianistin erleben. Wie gehen Sie mit der wachsenden Aufmerksamkeit für Ihre Person und dem damit verbundenen Druck um?
Der Druck, liefern zu müssen ist selbstverständlich da, ganz zu vermeiden ist dieser wahrscheinlich nie. Mit der Zeit gewöhnt man sich allerdings an das Gefühl und lernt damit umzugehen. Die Aufregung vor Konzerten ist bei mir natürlich trotzdem da, ein bisschen davon ist sicherlich auch ganz gut für die Konzentration im Konzert, aber bei mir überwiegt dann doch stets die Freude an der Musik. Das ist letztendlich der Grund, warum ich das alles mache, weil mir Musik die Möglichkeit gibt, meinen Gedanken und Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Wenn ich dann noch das Publikum damit ansprechen kann und Ihnen eine Freude mit meinem Spiel bereite, kann ich sehr zufrieden mit mir sein, auch, wenn einmal nicht alles perfekt gelaufen ist.
Menschen eine Freude zu machen – das ist ein gutes Stichwort. In den heutigen Zeiten rückt Kultur leider zunehmend in den Hintergrund, angesichts der globalen und politischen Herausforderungen, die zum Alltag geworden sind. Inwiefern sehen Sie in der Musik eine Chance, Menschen wieder zusammenzubringen und als Hoffnungsträger in aussichtslosen Situationen einen Weg aufzuzeigen?
Musik hat eine enorme Kraft, die wir als Menschen spüren können. Sie baut Brücken zwischen den Menschen und verleiht all dem Ausdruck, wo Worte nicht mehr weiterhelfen. Im Prinzip stellt Musik eine Art Universalsprache dar, die jeder Mensch sprechen und verstehen kann. Das gemeinsame Musizieren kann also gut als Metapher für das gesellschaftliche Zusammenleben genutzt werden – indem der Fokus auf das Verbindende zwischen Menschen gelegt wird und nicht auf das, was trennt. Das halte ich in den heutigen Zeiten für enorm wichtig!
Lassen Sie uns zum Abschluss noch über Ihre Residenz in der Saison 2026/27 beim Süddeutschen Sinfonieorchester sprechen. In der noch jungen Geschichte des Orchesters sind Sie die erste Künstlerin jemals, der diese Rolle zukommt. Wie lässt Sie das fühlen und wie entstand die Zusammenarbeit?
Es ist eine ganz besondere Ehre für mich, die erste Artistin in Residence beim SDO zu sein. Ich liebe die Arbeit mit Orchester und sehe auch für meine Karriere eine große Chance in dieser Zusammenarbeit. Zum Süddeutschen Sinfonieorchester verbindet mich seit Beginn eine tiefe Freundschaft, viele der Musiker kenne ich seit der Kindheit und so freut es mich jedes Mal von Neuem, die Menschen wiederzusehen. Selbstverständlich habe ich also mit Freuden zugesagt, als das Orchester mir das besondere Angebot der Zusammenarbeit mit dem SDO machte. Ich bin sicher, dass uns eine erfolgreiche und fruchtbare Kooperation bevorsteht!
Die Freude ist ganz auf unserer Seite! Lassen Sie uns zum Schluss noch über die gemeinsamen Konzerte sprechen: Auf dem Programm stehen unter anderem Klavierkonzerte von Bach und Beethoven. Wie kam es zu dieser Werkauswahl und was macht diese Stücke so besonders?
Ich bin sehr glücklich über die Klavierkonzerte, die ich mit dem SDO spielen werde! Gerade das 5. Klavierkonzert op.73 von Ludwig van Beethoven ist eins meiner Lieblingswerke für Klavier und Orchester, die Leidenschaft und Kraft in diesem Konzert ist wirklich einzigartig. Darüber hinaus ist dieses Werk sehr kammermusikalisch: direkt zu Beginn eröffnet das Orchester mit einem triumphalen Es-Dur Akkord, in den das Klavier mit einstimmt und dann mit jubelnden Arpeggien antwortet. So zieht sich das Wechselspiel zwischen den beiden Parts durch das gesamte Stück und macht die Aufführung zu einem besonderen Erlebnis. Das Klavierkonzert in d-Moll von Johann Sebastian Bach war eine Idee des Dirigenten, die mich sofort begeistert hat. Dieses Stück hat einen ganz besonderen Schwung und ist ein kompositorisches Meisterwerk des berühmten Komponisten – und gehört zum Standardrepertoire eines jeden Konzertpianisten. Das werden sicher zwei atemberaubende Konzerte!
Herzlichen Dank für das Gespräch! Alles Gute Ihnen und bis bald!
Sehr gern, mir hat es großen Spaß gemacht!





